Rückblick und Vision: 9. Herbstkonferenz Teltow-Fläming

Nach neun Jahren ist es einmal an der Zeit, Bilanz zu ziehen. Besonders, wenn sich der Befund durchaus sehen lassen kann. Zum neunten Mal lud das Büro für Chancengleichheit des Landkreises Teltow-Fläming zur alljährlichen Herbstkonferenz ein – gemeinsam mit der Partnerschaft für Demokratie.

 

Einen Tag lang tauschten sich am 15. November in Luckenwalde rund hundert Personen aus Verwaltung und Zivilgesellschaft zu der Frage aus: Was ist erreicht worden auf dem Weg zu einem toleranten und demokratischen Miteinander im Landkreis? Und vor allem: Was steht an, um das Erreichte zu festigen?

Die Vielzahl der vertretenen Initiativen – vom Jugendforum zum Seniorenbeirat, von professionellen Beratungsstellen zu ehrenamtlich Tätigen, von Lehrenden und Lernenden – zeige, wieviel in den zurückliegenden Jahren geschehen sei, meinte Integrationsbeauftragte Christiane Witt zu Anfang. Dem schloss sich Kreistagsvorsitzender Gerhard Kalinka – nicht zuletzt auch aus eigener Erfahrung – an und riet, den Blick auf die positiven Entwicklungen nicht durch bedenkliche Tendenzen trüben zu lassen.

Ein bunt besetztes Podium gab am Morgen Einblicke in die bislang geleistete Arbeit, moderiert von Christopher Senf. Ein bestimmendes Thema war die Begleitung und Beratung von Flüchtlingen – eine Aufgabe, die erst in den vergangenen zwei Jahren im Landkreis an Bedeutung gewonnen hat. Und Florian Schwabe vom Jugendforum Teltow-Fläming hob hervor, junge Leute bräuchten Unterstützung darin, sich in der Auseinandersetzung mit nationalradikalem Gedankengut zu behaupten. So habe das Forum Jugendlichen Argumentationshilfen geboten und gemeinsam erarbeitet.

Der zweite Teil der Konferenz richtete nach der morgendlichen Bestandaufnahme und dem Auftritt der Rapperformation ‚Inspire‘ den Blick auf künftige Aufgaben und auf Wege der Zusammenarbeit zivilgesellschaftlicher Akteure. An zahlreichen Thementischen erörterten Arbeitsgruppen die Fragenkomplexe:

- Altersgerechte Gesellschaft
- Integration in Arbeit
- Religiöses Leben
- Verwaltung zwischen Effizienz und Dienstleistung
- Offene Gesellschaft
- Jugendbeteiligung
- Interkulturelle Kommunikation

Die Zusammenfassung der Debatten im anschließenden Plenum machte klar, dass es auf vielen Gebieten recht gut läuft, so auch im Verhältnis zwischen Verwaltung und ehrenamtlich Aktiven. Sie zeigte aber auch, dass das Kurzmotto der Veranstaltung: „Läuft!?“ seine Berechtigung hatte. Dem selbstbewussten Ausrufungszeichen für erfolgreiches Arbeiten in der Vergangenheit gesellt sich ein Fragezeichen hinzu, das die Jüterboger Pfarrerin Mechthild Falk so deutete: „Es läuft ganz gut, aber es ist noch nicht alles gelungen.“ (US)

„Die gesellschaftliche Veränderung, die wir hier anstoßen, sieht man nicht sofort. Was wir aber sehen, ist Engagement und eine gute Vernetzung. Und das sind auch unsere Ziele.“
Annette Braemer-Wittke
Externe Fach- und Koordinierungsstelle der Partnerschaft für Demokratie

„Sicherlich müssen wir immer wieder daran arbeiten, dass wir uns gegenseitig ernst nehmen, also dass Zivilgesellschaft auch Verständnis dafür hat, dass Verwaltungshandeln oft nicht nur ein Fingerschnipsen ist, sondern eben auch Zeit in Anspruch nimmt. Und Verwaltung muss sich immer wieder befleißigen, das Ehrenamt als kompetent, als Gesprächspartner auf Augenhöhe zu akzeptieren.“
Kirsten Gurske
Sozialdezernentin des Landkreises Teltow-Fläming

„Wenn man mal vergleicht, wie die Verhältnisse Mitte der neunziger Jahre waren und heute sind, denke ich, dass vieles, was damals angestoßen wurde, vielerorts im Landkreis heute Früchte trägt.“
Gerhard Kalinka
Vorsitzender des Kreistages Teltow-Fläming

„Das Thema heißt ‚Läuft!?‘. Seit der ersten Herbstkonferenz ist viel auf den Weg gebracht worden: Bürgerforen, Regionaltreffen, Dialogforen, Informationsveranstaltungen, Weiterbildungsprojekte, Projekte im demokratischen Miteinander, ein großes ehrenamtliches Engagement - und es gibt das Büro für Chancengleichheit mit seinen unterschiedlichen Themenbereichen.“
Christiane Witt
Integrationsbeauftragte des Landkreises Teltow-Fläming

Die Veranstalter danken den Teilnehmerinnen und Teilnehmern auf dem Podium und den zahlreichen Helfern, die zum Gelingen der Herbstkonferenz beigetragen haben:

- Raida Albajekni, Lehrerin, aus Libyen stammend
- Mechthild Falk, Pfarrerin und Flüchtlingsbeauftragte aus Jüterbog
- Kirsten Gurske, stellvertretende Landrätin
- Gerd Langner, Vertreter des Kreis-Seniorenbeirats
- Florian Schwabe, Vertreter des Jugendforums Teltow-Fläming
- Christopher Senf, Moderation
- Anna Wunder, Mobile Flüchtlingsberatung Teltow-Fläming beim Diakonischen Werk

 

- INSPIRE, Rap-Formation aus Trebbin
- Katharina Kosak, graphic recording, zuständig für visuelle Live-Dokumentation
- Film-Report jugendlicher Geflüchteter aus Trebbin, aufgenommen am diesjährigen "Tag der Toleranz" in
  Baruth/Mark
- Auszubildende im Kreishaus Luckenwalde, die nicht zuletzt für den lukullischen Teil der Konferenz
  zuständig waren

Die BerlinerZeichnerin Katharina Kosak protokollierte die Konferenz in Karikaturen

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