Dorfgespräche

… stärken die Demokratie im ländlichen Raum

Wie kann es gelingen, das Zusammenleben der Menschen in Dörfern im ländlichen Raum demokratisch zu stärken? Diese Frage steht im Mittelpunkt von „Dorfgespräch – Ein Beitrag zur Demokratieentwicklung im ländlichen Raum“, einer neuen Publikation der Stiftung Mitarbeit.

 

Ländliche Räume machten im Jahr 2015 fast 70 Prozent der deutschen Staatsfläche aus, hier lebten über 30 Prozent der Bevölkerung. Zum ländlichen Raum gehören Dörfer ebenso wie Kleinstädte; Dörfer können je nach Region zwischen 50 und mehreren Tausend Einwohner groß sein.

Einerseits ist zwar jedes Dorf anders, andererseits aber gehört es zu den verbindenden Grunderfahrungen der Menschen, die in ländlichen Räumen leben, dass Strukturen, die für ihre Lebensqualität wichtig sind, durch politische Entscheidungen negativ beeinflusst werden. Gemeint sind hier beispielsweise die fortschreitende Ausdünnung des öffentlichen Personennahverkehrs, die unzureichende Gesundheitsversorgung oder der Abbau lokaler Demokratie durch Gebiets- und Gemeindereformen. Und innerhalb der Dörfer sind die Einwohner/innen vielerorts mit Problemen konfrontiert, die durch Zuzug und Abwanderung entstehen.

Wie lässt sich vor diesem Hintergrund das Zusammenleben im Dorf neu organisieren? Und wie lässt sich die dörfliche Gemeinschaft durch eine dialogische, ressourcenorientierte und einfach zugängliche Form der Beteiligung stärken? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt der Publikation.

Florian Wenzel und Christian Boeser-Schnebel stellen den methodischen Ansatz der Dorfgespräche vor. Sie nennen die vier grundlegenden Kriterien für ein erfolgreiches Dorfgespräch: Beteiligung, Motivation, Dialog und Verstetigung. Die Autoren geben praxiserprobte Hinweise darauf, wie ein Dorfgespräch-Projekt geplant und methodisch gestaltet werden kann.

Ein Dorfgespräch bringt die Menschen eines Dorfs zusammen, die sich im Alltag vielfach nicht (mehr) aktiv begegnen und die oft in getrennten Welten leben. Dabei werden nicht selten unvermutete Potentiale sichtbar. Menschen, die auf den ersten Blick nicht zu den Aktiven aus der „Mitte des Dorfs“ und zu den „Macher/innen“ gehören, die vielleicht eher am Rand stehen, neu zugezogen sind oder mit dem klassischen Dorfleben wenig anfangen können, zeigen die Bereitschaft, sich aktiv am Dorfgespräch zu beteiligen.
 
Dorfgespräche stärken das dörfliche Wir und aktivieren im Idealfall die demokratischen Selbstheilungskräfte der dörflichen Gemeinschaft. Sie motivieren Menschen, ihr kreatives Potenzial zu entfalten, die dörflichen Beziehungen neu zu begründen und gemeinsam zu entdecken, was möglich ist.


Ein Dorfgespräch bringt die Menschen eines Dorfs zusammen, die sich im Alltag vielfach nicht (mehr) aktiv begegnen und die oft in getrennten Welten leben. Dabei werden nicht selten unvermutete Potentiale sichtbar. Menschen, die auf den ersten Blick nicht zu den Aktiven aus der „Mitte des Dorfs“ und zu den „Macher/innen“ gehören, die vielleicht eher am Rand stehen, neu zugezogen sind oder mit dem klassischen Dorfleben wenig anfangen können, zeigen die Bereitschaft, sich aktiv am Dorfgespräch zu beteiligen.
 
Dorfgespräche stärken das dörfliche Wir und aktivieren im Idealfall die demokratischen Selbstheilungskräfte der dörflichen Gemeinschaft. Sie motivieren Menschen, ihr kreatives Potenzial zu entfalten, die dörflichen Beziehungen neu zu begründen und gemeinsam zu entdecken, was möglich ist.

Dabei werden Dissens und Konflikt als essentielle Bestandteile eines demokratischen Miteinanders thematisiert. Die teilnehmenden Dorfbewohner/innen werden ermutigt, Engagement, Demokratie und Politik als einen offenen gemeinsamen Handlungsprozess zu entdecken. Zugleich erinnern Dorfgespräche daran, dass jede/r Einzelne fähig ist, demokratisch zu handeln. Die Autoren verstehen Demokratie als eine Lebensform, die nicht nur im ländlichen Raum den eigenen Gestaltungsspielraum im alltäglichen Tun stärkt.

Eingeleitet wird das Buch durch eine thematische Einführung von Wolf Schmidt, in der er die wichtigsten Strukturmerkmale, die regionalen Besonderheiten und übergeordneten Herausforderungen des ländlichen Raums in Deutschland anhand vieler Beispiele und in historischer Perspektive erläutert. Er entfaltet in seinem Beitrag den gesellschaftlichen Rahmen, in dem die Methode Dorfgespräch wirksam werden kann. (Stiftung Mitarbeit)


Florian Wenzel & Christian Boeser-Schnebel
Dorfgespräch. Ein Beitrag zur Demokratieentwicklung im ländlichen Raum
Mit einer thematischen Einführung von Wolf Schmidt
Arbeitshilfen für Selbsthilfe- und Bürgerinitiativen Nr. 53
Verlag Stiftung Mitarbeit, Bonn 2019, 12,00 Euro
ISBN 978-3-941143-37-1

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