Atlas der Migration

70 Millionen Menschen sind derzeit weltweit auf der Flucht, und noch viel mehr verlassen ihre Heimat, weil sie anderswo bessere Möglichkeiten für sich erhoffen.

Die Zahl der Migrantinnen und Migranten über Ländergrenzen hinweg schätzen die Vereinten Nationen auf weltweit 258 Millionen Menschen. Nur ein Bruchteil von ihnen erreicht Europa. 85 Prozent aller Flüchtlinge werden von Ländern des Südens aufgenommen. Während 2018 in Deutschland auf je tausend Einwohner 11,6 geflüchtete Menschen kamen, waren es im wesentlich ärmeren Libanon mit 146 Flüchtlingen pro tausend Einwohner mehr als das Zehnfache.

Mit solchen und weiteren Informationen will der jetzt erschienene „Atlas der Migration“ in Deutschland den Blick auf Migration und ihre Akteure verändern, einen politischen Wandel anstoßen und zu einer Versachlichung der öffentlichen Debatte beitragen.

„Migration hat viele Realitäten und Facetten“, heißt es im Vorwort. „Dieser Atlas wirbt für einen differenzierten Umgang und eine Anerkennung von Fakten. Im derzeitigen gesellschaftlichen Klima ist Mut erforderlich, sich diesem Thema unaufgeregt und informiert zuzuwenden.“


Herausgegeben wurde die 52-seitige Publikation von der Rosa-Luxemburg-Stiftung aus Anlass des Weltflüchtlingstages am 20. Juni. Der Stiftung ist wichtig, auf Grundsätzliches hinzuweisen: Keine moderne Gesellschaft, kein heute existierender Nationalstaat und auch keine große Stadt würde ohne Migration existieren.

Allein in der Zeit zwischen 1815 und 1930 zogen rund 40 Millionen Europäer aus wirtschaftlichen und politischen Gründen nach Nordamerika und prägen seither die us-amerikanische und kanadische Gesellschaft. Zweifellos waren die meisten dieser Migranten ein Gewinn für die neuen Heimatländer.


In vielen Ländern Europas aber wird Migration heute noch als bedrohlich empfunden. Keine Strömung des rechten politischen Spektrums, heißt es im Atlas, verzichte darauf, Einwanderung zu dämonisieren. Sie wird als existentielle Gefahr für die angebliche Homogenität eines Volkes und seiner Kultur beschrieben. Am besten verfange die Hetze gegen Migranten bei denen, die den wenigsten Kontakt zu ihnen haben.

Für Initiativen und Kommunen, die sich für Flüchtlinge einsetzen wollen, bietet der „Atlas“ zudem hilfreiche Tipps für Kooperationen mit weiteren Unterstützern. Als Modell für die europäischen Netzwerke wird auf die nordamerikanischen „Sanctuary Cities“ (Städte der Zuflucht) verwiesen, denen sich über 500 Kommunen angeschlossen haben.

 

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